Prozess

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Pro|zess [pro'ts̮ɛs], der; -es, -e:
1. gerichtliches Verfahren zur Entscheidung eines Rechtsstreits:
der Prozess Meyer gegen Schulze wird wieder aufgerollt; der Prozess wird von einem erfahrenen Richter geleitet.
Syn.: Verhandlung.
Zus.: Arbeitsprozess, Indizienprozess, Mordprozess, Schauprozess, Scheidungsprozess, Strafprozess, Zivilprozess.
2. über eine gewisse Zeit sich erstreckender Vorgang, bei dem etwas entsteht oder abläuft:
ein chemischer Prozess; der Prozess des Alterns findet ganz allmählich statt.
Syn.: Ablauf, Entwicklung, Verlauf.
Zus.: Alterungsprozess, Entwicklungsprozess, Heilungsprozess, Lernprozess, Produktionsprozess, Reifungsprozess, Zersetzungsprozess.

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Pro|zẹss 〈m. 1
1. Gerichtsverfahren, Rechtsstreit
2. Vorgang, Verlauf (Entwicklungs\Prozess, Fäulnis\Prozess, Wachstums\Prozess)
● in dem \Prozess Müller gegen Schulze ● einen \Prozess (gegen jmdn.) anstrengen, führen; einen \Prozess gewinnen, verlieren; jmdm. den \Prozess machen jmdn. verklagenchemischer \Prozess chem. Vorgang bei der Umwandlung von Stoffen; jetzt mache ich kurzen \Prozess 〈fig.; umg.〉 jetzt greife ich entschlossen, energisch ein; mit dem mache ich kurzen \Prozess 〈fig.; umg.〉 mit dem verhandle ich nicht lange, sondern erkläre ihm deutlich u. energisch, was zu tun ist; langwieriger, schwieriger \Prozess [<lat. processus „Fortschreiten, Fortgang, Verlauf“, mlat. „Handlungsweise, Rechtsstreit“; zu procedere „vorwärtsschreiten“]

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Pro|zẹss , der; -es, -e [mhd. (md.) process = Erlass, gerichtliche Entscheidung < mlat. processus = Rechtsstreit < lat. processus = das Fortschreiten, Fortgang, Verlauf, zu: procedere = fortschreiten]:
1. vor einem Gericht ausgetragener Rechtsstreit:
einen P. verlieren;
jmdm. den P. machen (jmdn. für etw. in einem Prozess zur Verantwortung ziehen);
[mit jmdm., etw.] kurzen P. machen (1. ugs.; energisch, rasch, ohne große Bedenken u. Rücksicht auf Einwände [mit jmdm., etw.] verfahren. 2. salopp; jmdn. skrupellos töten).
2. sich über eine gewisse Zeit erstreckender Vorgang, bei dem etw. [allmählich] entsteht, sich herausbildet:
ein chemischer P.;
ein P. gegenseitiger Annäherung;
der P. ist abgeschlossen.

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Prozess
 
[engl. process], nach DIN 66201 die Gesamtheit von aufeinander wirkenden Vorgängen in einem System, durch die Materie, Energie oder Information umgeformt, transportiert oder gespeichert werden. In der EDV geht es dabei primär um die Verarbeitung und Speicherung von Information, wobei die Abgrenzbarkeit eines Prozesses gegenüber anderen Verarbeitungsvorgängen, die gleichzeitig oder aufeinander folgend ablaufen, kennzeichnend ist.
 
Auf der Ebene des Betriebssystem ist ein Prozess ein Vorgang wie z. B. das Ausdrucken eines Dokuments, eine Berechnung oder ein Speicherzugriff. Er wird von einem Anwendungs- oder Systemprogramm ausgelöst und kontrolliert, die verarbeitende Hardware-Komponente ist der Prozessor - dies muss nicht notwendig Zentraleinheit/CPU eines Rechners sein, es gibt z. B. auch Grafikprozessoren oder Sound-Chips (Soundkarte). Spezielle Systemprogramme sorgen dafür, dass parallel aktive Prozesse nicht gleichzeitig auf dieselben Systemressourcen zugreifen (Konflikt).
 
Das Betriebssystem weist jedem Prozess eine eindeutige Bezeichnung zu, die Prozess-ID (PID). Auch Anwendungsprogramme selbst werden dabei als Prozesse aufgefasst. Es gibt somit eine Hierarchie von Prozessen, die weitere Prozesse aufrufen usw. Prozesse können sich auch aufspalten (engl. to fork) und wieder vereinigen (engl. to join). Beispielsweise kann in einem kaufmännischen Programm ein Prozess »Bestellung prüfen« sich aufspalten in »Kundenadresse prüfen« und »Bestände prüfen« und anschließend zu »Ergebnis ausgeben« zusammengeführt werden. Prozesse beeinflussen sich gegenseitig durch Austausch von Meldungen, wenn im obigen Beispiel der Prozess »Kundenadresse prüfen« feststellt, dass der Kunde mehrere Rechnungen offen hat, veranlasst er den Prozess »Bestände prüfen« zu einem Abbruch, da es in diesem Fall nicht ratsam ist, weitere Bestellungen aufzunehmen. In dieser Weise aufeinander abgestimmte Prozesse heißen synchron (Ggs.: asynchron). In welcher Form die Synchronisation realisiert wird, hängt vom Betriebssystem und der Programmiersprache ab. Ein wichtiges Konzept dafür ist die Nebenläufigkeit.
 
Da Prozesse üblicherweise abwechselnd stückweise bearbeitet werden, schreibt ihnen das Betriebssystem sog. Prozesszustände zu: initiiert (startfähig, in Warteschlange für den Prozessor), aktiv (wird gerade vom Prozessor bearbeitet), blockiert (wartet auf Ergebnisse anderer Prozesse oder die Freigabe einer Ressource), bereit (in Warteschlange), terminiert (beendet). Die Leistungsfähigkeit eines Prozessors hängt wesentlich davon ab, ob es ihm gelingt, die Wartezeiten und das Verharren in blockierten Zuständen für alle Prozesse klein zu halten. Eine schlechte Organisation kann bei einem Prozessor trotz sehr hoher Taktrate zu einer niedrigen Verarbeitungsgeschwindigkeit führen. Dieses Problem stellt sich im Mehrprozessorbetrieb noch dringlicher, da hier neben blockierten oder wartenden Prozessen auch untätig bleibende Prozessoren vermieden werden müssen (Parallelrechner).

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Pro|zẹss, der; -es, -e [mhd. (md.) process = Erlass, gerichtliche Entscheidung < mlat. processus = Rechtsstreit < lat. processus = das Fortschreiten, Fortgang, Verlauf, zu: procedere (2. Part.: processum), ↑prozedieren]: 1. vor einem Gericht ausgetragener Rechtsstreit: ein Aufsehen erregender, politischer P.; der P. Meyer gegen Schulze wurde wieder aufgerollt; gegen jmdn. einen P. anstrengen, anhängig machen, einleiten; gegen jmdn. einen P. führen (prozessieren); einen P. gewinnen, verlieren; Der einzige Geständige im P. um die Ermordung des ... Studenten (MM 18. 2. 76, 10); mit jmdm. im P. liegen (prozessieren); Spr besser ein magerer Vergleich als ein fetter P.; *jmdm. den P. machen (jmdn. für etw. in einem Prozess zur Verantwortung ziehen): Dem früheren SS-Hauptsturmführer ... soll in der Bundesrepublik der P. gemacht werden (Spiegel 36, 1984, 16); [mit jmdm., etw.] kurzen P. machen (1. ugs.; energisch, rasch, ohne große Bedenken u. Rücksicht auf Einwände [mit jmdm., etw.] verfahren: mit den Gefangenen hat man früher kurzen P. gemacht. Man hat sie in ihre Zelle gesperrt, und dann war Ruhe im Haus [Ziegler, Konsequenz 81]. 2. salopp; jmdn. skrupellos töten). 2. sich über eine gewisse Zeit erstreckender Vorgang, bei dem etw. [allmählich] entsteht, sich herausbildet: ein historischer, wirtschaftlicher, politischer, mechanischer, chemischer P.; ein langwieriger, rückläufiger P.; der P. der Alterung, der Auflösung; ein P. gegenseitiger Annäherung; ein P. fortschreitender Demokratisierung; der P. ist abgeschlossen; einen P. auslösen, beschleunigen, unterbrechen; ein Stadium ..., das vor allem eine neue Qualität in der Leitung und Organisation der ökonomischen und gesellschaftlichen -e dringend erforderlich macht (horizont 13, 1978, 12).

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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